{"id":80,"date":"2020-12-28T18:53:53","date_gmt":"2020-12-28T18:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/bobtodate.de\/?p=80"},"modified":"2020-12-28T18:53:53","modified_gmt":"2020-12-28T18:53:53","slug":"counting-the-beans","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bobtodate.de\/?p=80","title":{"rendered":"Counting the beans."},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Argument, welches immer bem\u00fcht wird, wenn es um vegetarische\/vegane Ern\u00e4hrung vs. normale Ern\u00e4hrung geht, ist die Sojabohne.<br><br>F\u00fcr die deutsche Fleischproduktion wird der S\u00fcdamerikanische Regenwald abgeholzt, so hei\u00dft es. Aber harte Zahlen werden irgendwie nie, oder so gut wie nicht, genannt. Das ist normalerweise ein Hinweis, das an dieser Argumentation irgendwas stinkt.<br><br><strong>Also schauen wir doch einmal auf die Zahlen.<\/strong><br>Fangen wir mit den Grundlagen an:<br>Soja, die Sojabohne, ist eine \u00d6lpflanze. Der prim\u00e4re Zweck f\u00fcr den Anbau ist das Soja\u00f6l, welches, auf die Masse der Frucht gerechnet, ca. 20% ausmacht. Der massereiche Rest wird aber nat\u00fcrlich auch genutzt und prim\u00e4r als Tierfutter verwendet. Daher kommt die Kritik an der Sojabohne. Die Nutzung als \u00d6l (oder f\u00fcr Sojamilch), welches f\u00fcr Nahrung, f\u00fcr Farben oder f\u00fcr Kosmetik genutzt wird, wird dagegen als etwas marginales hingestellt, was massetechnisch vllt. korrekt ist aber nicht marktwirtschaftlich.<br><br>Was war denn die Jahresproduktion an Sojabohnen?<br>Die <strong>Jahresproduktion von Sojabohnen<\/strong> bel\u00e4uft sich auf:<br>348.712.311 Tonnen. (ca. <strong>349 Millionen t<\/strong>, 2018).<br><br>Davon bel\u00e4uft sich die <strong>Produktion von Sojaschrot<\/strong> (soybean meal) auf:<br>246.172.000 Tonnen (ca. <strong>246 Millionen t<\/strong>, gesch\u00e4tzt f\u00fcr 2020),<br><br>die <strong>Produktion von Soja\u00f6l<\/strong> auf:<br>56.520.000 Tonnen (ca. <strong>56,5 Millionen t<\/strong>, 2019\/2020).<br>(Fun Fact: die Jahresproduktion von Palm\u00f6l betr\u00e4gt:<br>72,27 Millionen t, 2019\/2020)<br><br>Das entspricht einem <strong>Anteil an der Gesamtsojaproduktion<\/strong> von <br>ca. <strong>70,5% Sojaschrot<\/strong><br>und<br>ca. <strong>16,1% an Soja\u00f6l<\/strong>.<br><br>Der Preis am internationalen Markt ist, nat\u00fcrlich schwankungsabh\u00e4ngig, f\u00fcr Soja\u00f6l ca. doppelt so hoch pro Einheit wie der von Sojaschrot (aktuell z.B. $0,93\/kg f\u00fcr \u00d6l vs. $0,42\/kg f\u00fcr Schrot). <strong>Wodurch sich, wirtschaftlich betrachtet, das Verh\u00e4ltnis von 1 zu 4 auf 1 zu 2 zugunsten des \u00d6les verringert.<\/strong><br><br><strong>Aber kommen wir zu der Rolle Deutschlands zur\u00fcck:<\/strong><br>Wieviel Sojaschrot, also Futtermittel, <strong>importiert Deutschland<\/strong>?<br>3.341.000 Tonnen (ca. <strong>3,3 Millionen t<\/strong>, 2017\/2018),<br>das sind ca. <strong>1,3%<\/strong> der weltweiten Sojaschrotproduktion.<br><br>Nat\u00fcrlich klingen 3,341 Millionen Tonnen nach verdammt viel &#8211; aber wieviel <strong>Futtermittel importieren wir insgesamt<\/strong>?<br>6.522.000 Tonnen (ca. <strong>6,5 Millionen t<\/strong>, 2017\/2018)<br>das sind effektiv alles \u00d6lschrote und Kuchen, z.b. sind davon <strong>Rapsschrot<\/strong><br>1.587.000 Tonnen (ca. <strong>1,6 Millionen t<\/strong>, 2017\/2018)<br>entgegen unserer <strong>Eigenproduktion von Rapsschrot<\/strong> von<br>2.323.000 Tonnen (ca. <strong>2,3 Millionen t<\/strong>, 2017\/2018).<br><br>Okay, auch das ist eine imposante Summe.<br>Aber <strong>WAS produzieren wir selber<\/strong>?<br>210.871.000 Tonnen (ca.<strong> 211 Millionen t<\/strong>, 2017\/2018)!<br>Unsere Eigenproduktion an Futtermitteln n\u00e4hert sich der imposanten weltweiten Gesamtproduktion an Sojaschrot an.<br><br>Der <strong>Import an Futtermitteln<\/strong> im Vergleich mit der Eigenproduktion betr\u00e4gt:<br><strong>3,1%<\/strong>, <br>der <strong>Sojaschrotimport<\/strong> betr\u00e4gt im Vergleich mit der Eigenproduktion:<br><strong>1,6%<\/strong>.<br><br>Mhh, auch das klingt jetzt nicht wirklich weltbewegend.<br>Das Argument ist also n\u00fcchtern betrachtet verdammt schwach.<br><br><strong>Versetzen wir ihm den Todessto\u00df<\/strong>:<br>Der Hauptabnehmer f\u00fcr Sojaprodukte ist China (ca. 60% der weltweiten Produktion).<br>Die Sojaimporte von Deutschland sind r\u00fcckl\u00e4ufig.<br>Aufgrund von Handelsvereinbarungen hat die EU (international wird die EU oft als ein Wirtschaftsraum betrachtet) ihren Import von US-amerikanischen Soja massiv erh\u00f6ht &#8211; alleine von 2017 auf 2018 um \u00fcber 100% f\u00fcr einen Gesamtanteil von, 2018, ca. 50%.<br>Das f\u00fchrte dazu, dass die Abnahme von s\u00fcdamerikansichen Soja durch die EU\/Deutschland, welches aufgrund der Regenwaldrodungen berechtigt in der Kritik steht, massiv eingebrochen ist.<br><br>&#8212;<br><br>Im Endeffekt bleibt von dem oft wiedergekauten Argument nichts \u00fcbrig. Aber deswegen muss es ja auch wiedergekaut werden, weil es keinen N\u00e4hrwert hat (Ha! Pflanzenfresserhumor!).<br><br>Nat\u00fcrlich sind die Rodungen des Regenwaldes ein Problem und aufgrund der steigenden Sojanachfrage Eines, welches gel\u00f6st werden muss. Aber leider leider muss man den sich selbstgei\u00dfelnden deutschen Weltverbesserer sagen, dass er sich da eher an China wenden muss als an den Bundestag.<br><br>Aber dort h\u00f6rt ihm keiner zu und hier kann er sich wichtig machen.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Argument, welches immer bem\u00fcht wird, wenn es um vegetarische\/vegane Ern\u00e4hrung vs. normale Ern\u00e4hrung geht, ist die Sojabohne. F\u00fcr die deutsche Fleischproduktion wird der S\u00fcdamerikanische Regenwald abgeholzt, so hei\u00dft es. Aber harte Zahlen werden irgendwie nie, oder so gut wie nicht, genannt. Das ist normalerweise ein Hinweis, das an dieser Argumentation irgendwas stinkt. 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